Kinder und Jugendliche in einkommensschwachen Quartieren sind vielen Risikofaktoren für seelische Gesundheit ausgesetzt. Zudem bedarf es einer weiteren Sensibilisierung für Problemlagen, die in Nachbarschaften (NB) präsent sind. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass manche Herausforderungen, die in NB sichtbar werden, nicht vor Ort gelöst werden können. NB hat ein hohes Potential für die Bewältigung der oben beschriebenen Herausforderungen, die wir in diesem Projekt nutzen, um eine Anlaufstelle für seelische Gesundheit im Quartier schaffen, Barrieren abzubauen und Zugänge zu erleichtern. Dafür nutzen wir bereits bestehende Strukturen und die vertrauensvollen Beziehungen der Gemeinwesenarbeit (GWA). „Gesundheit wird auch in der NB hergestellt“.Die Ressource NB wird bisher zu wenig genutzt; bekannte soziale Ursachen von Erkrankungen kommen (zu) selten in den Fokus der Öffentlichkeit und sind im Gesundheitswesen selten im Blick oder handlungsleitend. Im Bereich der seelischen Gesundheit ist der Handlungsbedarf vordringlich, da andere Bereiche der Gesundheit hiervon beeinflusst werden (RKI) . Das Setting NB bietet ideale Voraussetzungen, um aufbauend auf bestehenden vertrauensvollen Kontakten und Erfahrungen der dort tätigen MitarbeiterInnen der GWA Menschen zu erreichen. Den MitarbeiterInnen der GWA und anderen (ehrenamtlichen) Unterstützern sind die Bedarfe vor Ort gut bekannt. Wir haben häufig kein Erkenntnisproblem aber ein Umsetzungsproblem (Grossmann 2025, BVPG e.V.) Beide Seiten dieser armutsbedingten Benachteiligungen werden daher beeinflusst.
A: Frühe Prävention „Mentale Gesundheit“ für vulnerable Kinder und Familien.
- Training im NBB für Mitarbeitende der GWA in „Erster Hilfe seelische Gesundheit“ (Evaluiertes Programm: MHFA- Mental Health First Aid) Zentralinstituts seelische Gesundheit). Sie fungieren im 2. Schritt als Multiplikatorinnen.
- Engagierte Ehrenamtliche erhalten im 2. Schritt identische Ausbildung in „Erster Hilfe“.
- Informationsveranstaltungen mit festgelegten Lernzielen und Inhalten.
- Individuelle Gespräche am Rande der Veranstaltungen (angelehnt an Prinzip eines Gesundheitskiosk)
B: Kontakte zum und Vermittlung in das medizinischen Versorgungssystem erleichtern
Monatliche Sprechstunde der Hebammenzentrale in jedem NBB
- Sprechstunde (Terminabsprache) durch Kinderarzt am Rande der Treffen.
- Regelmäßige Treffen in NBB mit Tagesmüttern, Kitas, Grundschulen, Jugendhäusern, Sportvereine u.a. (Bsp. Spielraumprojekt)
Delmenhorst, mit knapp 80.000 EinwohnerInnen zählt zu den Städten, in denen die hohe Zuwanderung der letzten Dekade auf eine schwierige sozio-ökonomische Lage mit einem andauernden Strukturwandel traf, (vhw 2020 ) weist mit aktuell fast 32 Prozent eine weit überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote für Menschen mit geringer Qualifikation auf und belegt in der aktuellen Rangliste des IW Köln in Deutschland den Rang 395 von 401 Städten und Kreisen (IW, 2020 ).
Aus dieser Situation entstand 1999 das erste von inzwischen 4 Nachbarschaftsbüros (NBBs) in freier Trägerschaft (3 Diakonie, 1 Awo) die nach den Qualitätsstandards der GWA der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Niedersachsen agieren.
Die jahrelangen Kooperationen des DIG mit den NBBs (z.B. Kommunaler Präventionsrat, gemeinsames Projekt „Gesund und bunt“, Einkaufshilfe in der Pandemie) stellen Ausgangspunkt und Basis für das Projekt dar. Es wurden wertvolle Erfahrungen mit in Deutschland zu wenig erprobten Kooperationen von sozialer Arbeit und Gesundheitsförderung gemacht und evaluiert. Dies ist im Bereich der seelischen Gesundheit besonders wichtig (Wiegand-Gräfe 2019 ).
Kinder und Jugendliche in einkommensschwachen Quartieren sind vielen Risikofaktoren für seelische Gesundheit ausgesetzt, weil sie mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind. Z.B. beeinträchtigen finanzielle Sorgen in der Familie, weniger stabile Lebensbedingungen oder ein Mangel an sicheren Spiel- und Rückzugsorten das Wohlbefinden der Kinder. Außerdem erleben Kinder in solchen Umgebungen manchmal mehr Stress, weil sie sich Sorgen um ihre Zukunft machen oder weil sie weniger Unterstützung und Ressourcen haben.

