Projektbeschreibung: NanU – Nachbarschaftliche Vernetzung: neue Utopien entwickeln
NanU ist ein künstlerisch-partizipatives Projekt im Masch-Straßen-Viertel in Göttingen, das gezielt auf die Förderung sozialer Teilhabe, die Stärkung solidarischer Nachbarschaftsstrukturen und die aktive Mitgestaltung des Quartiers durch benachteiligte Gruppen ausgerichtet ist. Im Zentrum stehen dabei jugendliche und junge Erwachsene (bis 26 Jahre), ältere Bewohner:innen (ab 60 Jahre) sowie Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – Zielgruppen, die häufig von Armut, Isolation und gesellschaftlicher Exklusion betroffen sind.
Ausgangspunkt des Projekts ist die gemeinsame, kreative Forschung zum Thema Gemeinschaft. In einer Reihe niedrigschwelliger Workshops setzen sich die Teilnehmenden mit den Fragen auseinander: Was bedeutet Gemeinschaft für mich? Wo erlebe ich sie? Was wünsche ich mir für mein Leben im Viertel? Diese Fragen werden nicht abstrakt, sondern durch künstlerische Praxis erfahrbar gemacht. Im Zentrum stehen kreative Formate wie experimentelles Schreiben, Improvisation, zeitgenössischer Tanz, bildnerisches Gestalten sowie interdisziplinäre Ausdrucksformen, durch die die Teilnehmenden persönliche Perspektiven entwickeln, Bedürfnisse formulieren und konkrete Visionen für ihr Zusammenleben entwerfen.
Ziel ist es, über die künstlerische Arbeit Verbindung und Austausch zwischen Generationen und Kulturen zu ermöglichen, Selbstwirksamkeit zu stärken und Teilhabe erfahrbar zu machen. Die Workshops bieten insbesondere Menschen mit wenigen Ressourcen einen niedrigschwelligen Zugang zu Ausdruck, Bildung und sozialer Interaktion. So trägt das Projekt zur Überwindung von Isolation, zur Förderung psychischer Gesundheit und zur Entwicklung positiver Zukunftsperspektiven bei.
Darüber hinaus stärkt NanU die Quartiersentwicklung im Sinne einer inklusiven Stadtgesellschaft. Die künstlerischen Ergebnisse fließen in eine öffentliche Abschlusspräsentation ein, in der die Teilnehmenden ihre Visionen und Wünsche sichtbar machen. Eine dokumentarische Begleitung hält Erkenntnisse, Bedürfnisse und Impulse fest und kann für zukünftige Planungs- und Beteiligungsprozesse genutzt werden. NanU schafft damit eine Plattform, um Nachbarschaft gemeinsam, kreativ und solidarisch zu gestalten.
Das Masch-Straßen-Viertel in Göttingen ist von sozialen und strukturellen Herausforderungen geprägt. Laut der Vorbereitenden Untersuchung Nördliche Innenstadt (Stadt Göttingen, 2022) weist das Quartier eine hohe Fluktuation auf. Viele Menschen ziehen aufgrund günstiger Mieten kurzfristig ins Viertel, bauen aber keine langfristige Bindung auf, da es an gemeinschaftlich nutzbaren Begegnungsräumen fehlt. Dies führt zu einer Auflösung nachbarschaftlicher Strukturen, zur sozialen Isolation Einzelner und zur Verstärkung prekärer Lebenslagen.
Besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene (bis 26 Jahre), ältere Menschen (ab 60 Jahre) sowie Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Für sie ist gesellschaftliche Teilhabe durch ökonomische Einschränkungen, mangelnde Zugänge zu Ressourcen und eingeschränkte Mitgestaltungsmöglichkeiten erschwert. Zwar gibt es mit dem Forum Waageplatz-Viertel eine engagierte Nachbarschaftsstruktur, jedoch fehlt es an kreativen, niedrigschwelligen Formaten, die Beteiligung ermöglichen.
Die zuletzt durchgeführten stadtplanerischen Maßnahmen im Viertel (z. B. JVA, Heilsarmee-Gebäude, Waageplatz) wurden vielfach als intransparent erlebt und haben das Gefühl politischer Ohnmacht verstärkt. Das Projekt knüpft hier an: Mit künstlerisch-partizipativen Methoden soll Gemeinschaft erfahrbar und aktive Mitgestaltung im Quartier ermöglicht werden. Die Nachbarschaftsküche bietet einen bewährten Zugang zu den Zielgruppen. Eine Doppelförderung ist ausgeschlossen.
Quelle: Stadt Göttingen (2022): Vorbereitende Untersuchung Nördliche Innenstadt

