Die Weststadt von Leer wird im Rahmen der Förderung "Soziale Stadt" baulich saniert und seit dem 01.01.2020 durch die Gemeinwesenarbeit in Haus Hermann vertreten.
Das Haus Hermann ist ein Begegnungsort im Stadtteil, der sowohl für die Bewohner*innen der engen Wohnungen der Wohnblocks und "des einzigen Hochhauses der Stadt" als auch für die Eigenheimbesitzer*innen mit eigenen Außenflächen als Anlaufstelle für Partizipation, Selbsthilfe sowie Beratung ist.
Neben der Gemeinwesenarbeit mit einem Bewegungsraum, Küche mit angrenzendem Café-/Kreativraum sowie einem Jugendkeller und Büro-Sharing-Raum befinden sich noch weitere lokale Akteur*innen im Haus, um ein niedrigschwelliges Beratungsangebot sowie Projekte mit und für die Anwohner*innen zu gestalten.
Die Angebote und Veranstaltungen im Haus sowie im Stadtteil werden durch die Bedürfnisse, Beteiligung und Wünsche der Anwohner*innen gestaltet, verändert und gefördert.
Seitens der Anwohner*innen wird immer mal wieder nach dem unausgebauten Raum im Dachgeschoss gefragt, der durch Dachschrägen und Holzbalken einen besonderen Charme hat und in dem sehr hellhörigen Haus etwas mehr Ruhe bietet. Außerdem ist dieser Raum größer als alle anderen im Haus und könnte auch größeren Gruppen und Veranstaltungen Platz bieten. Daher soll der Dachboden langfristig mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gestaltet werden und eine weitere Ressource auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit darstellen.
In den vergangenen Wochen fand eine Begehung des Dachbodens mit offener Fragestellung zur Nutzung und Gestaltung des Raumes mit Kindern aus dem Stadtteil statt. Daraus ergaben sich u.a. folgende Ideen:
Kinoraum, Konzertraum/Instrumentenraum, Theaterraum, Lernort schaffen (mit Computern)/ Bibliotheks-Athmosphäre. Einigkeit bestand darin, dass der Raum den offenen Charakter beibehalten sollte und es zu einem multifunktional nutzbaren Raum werden sollte, was unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Räumlichkeiten im Haus sinnvoll erscheint. Mit dieser Ideensammlung soll die Partizipation natürlich nicht beendet sein. Im weiteren Verlauf des Projektes sollen konkretere Beteiligungsmaßnahmen zur Gestaltung des Raumes erfolgen, z.B. in Form eines Workshops und auch gemeinsam neue Angebote und Veranstaltungen erarbeitet werden.
Im Stadtteil gibt es strukturelle und finanzielle Ungleichheit. Während es Siedlungen mit Eigentumshäusern und (großen) Grundstücken gibt, befinden sich auf der anderen Seite viele Straßenzüge mit Mehrparteienhäusern und kleinen Wohnungen. Viele Haushalte aus den Blockwohnungen sind finanziell in belastenden Lebenssituationen, von denen sowohl die Erwachsenen, als auch die Kinder immer wieder berichten. Die Erwachsenen fragen insbesondere nach Unterstützung bei Antragsstellungen für finanzielle Leistungen oder fragen akut nach Geld, während Kinder z.B. anmerken, dass sie an kostenpflichtigen Angeboten nicht teilnehmen könnten, wie z.B. Ferienprogrammaktionen, Freizeiten oder Vereinsmitgliedschaften.
Aufgrund von Migrationsgeschichte, Sprachbarrieren und fehlender Bildung sind die Bewohner*innen, wenn überhaupt meist in Beschäftigungsverhältnissen mit Niedriglohn. Der Bundesagentur für Arbeit liegen keine stadtteilbezogenen Daten in Bezug auf die Arbeitslosigkeitsquote vor (Stand:2020). Von der GWA wird jedoch zumindest in den Mehrparteienhäusern vermehrt Arbeitslosigkeit wahrgenommen.
Diese zum Teil prekären Lebensverhältnisse und Ungleichheiten innerhalb des Stadtteiles führen u.a. dazu, dass es noch an Verbundenheit im und zum Stadtteil mangelt. Es bedarf weiterhin Aufklärungs- und Beziehungsarbeit durch die GWA sowie Beteiligungsprozesse. Es besteht die Chance durch dieses Projekt neuen Raum (sowohl physisch, als auch psychisch) zu schaffen, um z.B. Bildungs- und Freizeitangebote niedrigschwellig zu ermöglichen und damit langfristig Kinderarmut und Ungleichheiten abzubauen.

