Im DRK-Kreisverband Lüchow-Dannenberg soll es in allen 16 Kindertageseinrichtungen sogenannte Geben-und-Schränke geben. In der Praxisumsetzung geht es darum, Kinder bzw. Familien mit geringen Einkommen niedrigschwellig und ohne Stigmatisierung zu unterstützen. Gerade im ländlichen Bereich ist das Thema Armut häufig schambesetzt.
Durch die Schränke wird es ermöglicht, gespendete Bekleidung oder Spielzeug so weiterzugeben, dass diese Spenden nach dem individuellen Bedarf, unbeobachtet aus dem Schrank mitgenommen werden können. Verantwortlich für die Präsentation und das Auffüllen des jeweiligen Geben-und-Nehmen-Schrankes ist das Kita-Personal in Kooperation mit den DRK-Ortsverbänden. Die Inhalte richten sich an den
jeweiligen Bedarfen aus; so gehören Bücher, Kinderkleidung, Spielsachen aber auch verpackte Lebensmittel zum Angebot. Das Einwerben von Dingen zum „Geben“ erfolgt über Spendenaufrufe und in Kooperation mit den DRK-Ortsvereinen vor Ort und den DRK-Kleiderläden.
Familien mit geringem Einkommen können niedrigschwellig und ohne Stigmatisierung unterstützt werden. Das Kita-Personal und die Elternschaft können für das Thema Armutsgefährdung und Nachhaltigkeit sensibilisiert werden.
Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist einer der dünn besiedeltsten Landkreise Deutschlands und gilt als strukturschwach. Die sozioökonomische Struktur ist geprägt von demografischen Herausforderungen, begrenzten wirtschaftlichen Perspektiven und einer überdurchschnittlich hohen Armutsgefährdung. Armut im ländlichen Raum stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, da sie oft weniger sichtbar ist als in städtischen Gebieten, aber tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensqualität und Zukunftschancen der Betroffenen hat. Besonders betroffen sind einkommensschwache Familien mit Kindern sowie Alleinerziehende. Steigende Kinderarmut ist ein großes Thema!
Im Landkreis leben rund 48.000 Einwohner (Stand 2023), mit einer überdurchschnittlich alten Bevölkerung. Die Siedlungsstruktur ist stark ländlich geprägt, viele kleine Dörfer, kaum urbane Zentren. Ein eingeschränkter öffentlicher Nahverkehr, lange Wege zu medizinischer Versorgung und Bildungseinrichtungen sind wesentliche Merkmale der regionalen Infrastruktur.
Das durchschnittliche Einkommen liegt hier deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, die Armutsgefährdung insbesondere für Familien und Alleinerziehende jedoch darüber. Das verfügbare Einkommen pro Kopf liegt ebenso unter dem niedersächsischen Mittelwert. Die Erwerbsstruktur zeigt viele Beschäftigte im Niedriglohnsektor, z. B. in der Landwirtschaft, im Einzelhandel oder in sozialen Dienstleistungen. Viele Menschen pendeln in andere Regionen, da es vor Ort nur begrenzte Arbeitsmöglichkeiten gibt.

