Unser Projekt „FotoBrücke Mühlenberg“ fördert die soziale Inklusion und zielt auf die Bekämpfung von Armut im Stadtteil Mühlenberg ab – nicht im engeren finanziellen Sinne, sondern im Bewusstsein, dass Armut ein multifaktorielles Phänomen ist. Armut bedeutet oft auch eingeschränkten Zugang zu sozialen Netzwerken, kultureller Teilhabe und Sichtbarkeit. Deshalb setzt das Projekt bewusst bei der Stärkung des sozialen und kulturellen Kapitals der Kinder an.
Durch ein kreatives Fotoprojekt erhalten die Kinder die Möglichkeit, ihre Umwelt mit anderen Augen zu sehen und ihre Perspektiven mittels analoger Fotografie auszudrücken. Ziel ist es, ihre Selbstwahrnehmung zu stärken, soziale Bindungen zu fördern und einen gesunden Bezug zum Stadtteil aufzubauen.
In drei Sitzungen gehen die Kinder zunächst auf Fototour durch Mühlenberg. Anschließend wählen sie ihre Bilder aus, reflektieren deren Bedeutung und bereiten sie für eine öffentliche Ausstellung im Stadtteilzentrum vor. Dort präsentieren sie ihre Werke und werden in ihrer Rolle als aktive, kreative Mitglieder der Gemeinschaft sichtbar.
Die Teilnahme an der Ausstellung schafft Zugang zum kulturellen Raum und fördert somit das kulturelle Kapital der Kinder. Gleichzeitig werden durch den Austausch mit anderen Kindern, Besucher*innen und Fachkräften auch soziale Kontakte und Netzwerke aufgebaut – ein zentraler Aspekt sozialen Kapitals. So bietet das Projekt eine niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeit in die Welt der Kunst, der Teilhabe und des aktiven Mitgestaltens der eigenen Lebensrealität.
Wir wollen erreichen, dass die Kinder durch kreative Selbstexpression mehr Vertrauen in sich selbst gewinnen, ihre Umwelt bewusster wahrnehmen und sich als wertvollen Teil der Gemeinschaft erfahren. Langfristig trägt dies zu mehr Teilhabe, Anerkennung und Selbstwirksamkeit bei – wichtige Faktoren im Kampf gegen strukturelle Armut.
In der AG KISS beobachten wir bei den Kindern aus dem Stadtteil Mühlenberg vielfältige sozio-emotionale Herausforderungen. Viele zeigen Anzeichen von Frustration, verbaler und körperlicher Gewalt sowie rassistischen Verhaltensmustern. Die Kinder verbringen häufig viel Zeit allein auf der Straße, oft ohne stabile Bezugspersonen oder Aufsicht. In vielen Familien bestehen finanzielle Schwierigkeiten, die zusätzlich durch eine geringe gesellschaftliche Teilhabe und soziale Isolation verstärkt werden.
Darüber hinaus gibt es in zahlreichen Fällen emotionale, affektive oder auch aufmerksame Vernachlässigung im häuslichen Umfeld. Viele Kinder erfahren zu Hause wenig Anerkennung oder Unterstützung, was sich negativ auf ihr Selbstwertgefühl und ihre soziale Entwicklung auswirkt.
Unser Projekt setzt hier an, um diesen Kindern Räume für kreative Selbstentfaltung, soziale Begegnung und stärkende Erfahrungen in ihrer Nachbarschaft zu bieten. Es versteht sich als niedrigschwelliger Beitrag zur sozialen Teilhabe, zur Sichtbarmachung der Kinder und zur langfristigen Stärkung ihrer emotionalen und sozialen Ressourcen.

